Aus unserem Leitbild

Präambel

 

 Die Ordensgemeinschaft der Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau weiß sich seit ihrer Gründung 1833 durch Maria Theresia von Jesu Gerhardinger der Erziehung und Bildung junger Menschen verpflichtet.

Unsere staatlich anerkannten Einrichtungen erfüllen die allgemein geltenden Qualitätsstandards. Zusammen mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fördern wir gezielt Begabungen, unterstützen Lern- und Leistungsbereitschaft, stärken Sozialkompetenz und Verantwortungsbewusstsein.

In unserer pluralistischen Gesellschaft ist unsere Wertevermittlung ausgerichtet am christlichen Welt- und Menschenbild. Wir achten die Würde des Einzelnen, begleiten den Prozess der personalen Entfaltung, legen Wert auf ein gutes Miteinander, suchen die bewusste Auseinandersetzung mit dem Glauben und schärfen den Blick für die Herausforderungen der Zeit.

In Fortführung des Auftrags der Gründerin setzen wir als Schwerpunkte:

  • verantwortungsvoller Umgang mit der Schöpfung
  • geschlechtergerechte Erziehung
  • Dialog der Religionen und Kulturen
  • Sorge um Benachteiligte


 

Unser Profil

 

In Verantwortung vor den uns anvertrauten jungen Menschen, im Bewusstsein des Sendungsauftrags der Kirche, die Frohe Botschaft zu verkünden, in der Tradition unserer Gründerin Maria Theresia von Jesu Gerhardinger und im Angesicht der Herausforderungen unserer Zeit haben wir in der pädagogischen Arbeit unserer Einrichtungen neben den allgemein gültigen Standards die Schwerpunkte:      

 1) verantwortungsvoller Umgang mit der Schöpfung,       

2) geschlechtergerechte Erziehung,

3) Dialog der Religionen und Kulturen sowie

4) Sorge um Benachteiligte.

 

Mit vielen anderen Menschen guten Willens gleich welcher Rasse, Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht oder Religion, die wir als Partner in unserem Bemühen um eine gute Zukunft schätzen, sind wir der Überzeugung, dass die Menschheit sich nur dann weiterentwickeln kann, wenn ihr der Ausgleich zwischen individuellen Interessen, allgemeinen Bedürfnissen und den sich daraus ergebenden Notwen-digkeiten gelingt. Grundlegend dabei ist die Erschließung eines umfassenden Wertesystems in erzieherischen Prozessen für die nachfolgende Generation, das durch-gängig den verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung thematisiert. Dies schließt konsequenterweise das respektvolle Miteinander im Dialog der Religionen und Kulturen ebenso mit ein wie das Bemühen um Geschlechtergerechtigkeit. Entsprechend der schöpfungs-theologisch grundgelegten Überzeugung von der Gottes-kindschaft und der sich daraus ergebenden Ebenbürtigkeit aller Menschen gilt unsere Sorge auch all denjenigen, die unserer Hilfe, Unterstützung und Förderung in besonderer Weise bedürfen. Die hierbei notwendige Sensibilität für die Nächsten und die vielfältigen Formen ihrer Benachteiligung gilt es immer wieder zu stärken und einzuüben.

1) Verantwortungsvoller Umgang mit der Schöpfung

Mit frohem Herzen können wir grundsätzlich - trotz aller immer wieder erfahrbarer Widerwärtigkeiten und Schwierigkeiten des Alltags - zu der Aussage stehen: das Leben, die Welt und alles, was auf ihr lebt, ist gut. Anlass dazu gibt uns der Glaube an einen Gott, der seine Schöpfung liebt und sie nicht im Stich lässt. Gottes Schöpfung ist von dieser Grundüberzeugung her geordnet und nicht nur ein Produkt des Zufalls, das sich irgendwann wieder im Nichts verliert. Gottes Schöpfung trägt die Spuren ihres Schöpfers in sich und verweist uns daher über uns selbst hinaus, regt uns zum Fragen und Staunen an und ermöglicht   einen Blick über das rein Mess-, Wieg- und Zählbare hinaus. Gottes Schöpfung ist uns als Geschenk anvertraut, damit wir im achtsamen Umgang mit ihr leben können, sie und damit auch uns selbst besser verstehen lernen. In unseren Bildungseinrichtungen legen wir in diesem Zusammenhang großen Wert darauf, dass ein nachhaltiger Lebensstil konkret eingeübt wird, das Thema Schöpfung aus den aufeinander abgestimmten Blickwinkeln von Naturwissenschaften, Ethik und Religion sowie Sozial- und Kulturwissenschaften zur Bearbeitung kommt und positive Naturerfahrungen möglich sind.

2) Geschlechtergerechte Erziehung

Gemäß unserem Glauben hat Gott den Menschen als Mann und Frau erschaffen. Auch wenn Mann und Frau sich von ihrer Eigenart her unterscheiden, so sind sie doch gleichwertig und gleichberechtigt. Der Zugang zu allen gesellschaftlichen Bereichen muss Mann und Frau gleichermaßen offen stehen, ohne Unterschiede im Denken, Fühlen, Erleben etc. zu leugnen. Unterschiede sind eine Bereicherung des Zusammenlebens und nicht eine Frage nach den Kriterien der Verteilung gesellschaftlicher Macht. In unseren Bildungseinrichtungen wollen wir jungen Menschen die Möglichkeit geben, sich ihrer jeweiligen geschlechtlichen Identität bewusst zu werden, einen entsprechenden Lebensstil zu entwickeln bzw. zu pflegen und sich Handlungsfelder zu erschließen, die ihrer weiblichen bzw. männlichen Identität entsprechen, ohne in ein überholtes Rollendenken zu verfallen, das Hierarchisierungen in unterschiedlichen Weisen fördert. Als Lebensgemeinschaft von Frauen will unsere Kongregation mit ihren Bildungseinrichtungen im Vorbildhandeln so den  Anstoß für die Entwicklung einer geschlechtergerechten Gesellschaft geben.

3) Dialog der Religionen und Kulturen

Wir sind davon überzeugt, dass mit dem Leben, Sterben und der Auferstehung Jesu Christi in unüberbietbarer Weise alles über Herkunft und Zukunft des Menschen, Sinn und Ziel dieser Welt sowie Gott und seine Schöpfung ausgesagt ist. Diese Überzeugung verbindet sich mit dem festen Willen, Zeugnis zu geben von Hoffnung, Glaube und Liebe der Christen. Wir wollen darüber in das Gespräch kommen und in den Austausch treten nicht nur mit den Angehörigen unserer eigenen Glaubens- und Kulturgemeinschaft, sondern auch mit denjenigen, die einer anderen Religion angehören, die säkulare weltanschauliche Positionen vertreten und/oder einen kulturellen Hintergrund haben, der sich von unserem mehr oder auch weniger unterscheidet. Maximen für diesen sich daraus ergebenden vielseitigen Dialog sind uns dabei die Achtung der Würde der Person und die Freiheit des Gewissens. Nur so können wir einander besser kennen lernen, gegenseitiges Vertrauen aufbauen, gemeinsam auf dem Weg der Erkenntnis der Geheimnisse unseres Lebens voranschreiten und die je eigenen Überzeugungen vertiefen. In diesem Kontext kommt auch jenen eine besondere Bedeutung zu, die unsere Einrichtungen besuchen und nutzen und sich nicht zu einer der christlichen Kirchen zugehörig fühlen.

Es ist für uns selbstverständlich, die uns anvertrauten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit anderen Religionen und Weltanschauungen bekannt zu machen, indem unter anderem lebendige Kontakte zu deren Vertretern geknüpft werden, Grundüberzeugungen zur Darstellung kommen, gemeinsam die Verantwortung für soziale Projekte getragen wird und eine den Erfordernissen der jeweiligen Bildungseinrichtung angemessene Festgemeinschaft gepflegt wird.

4) Sorge um Benachteiligte

Das Vorbild der Sorge Jesu um das körperliche Wohlergehen, die seelische Gesundheit und das geistige Wachstum der Menschen macht uns sensibel für die vielfältigen Formen der Benachteiligung in unserer Gesellschaft. Neben Krankheiten, Behinderungen, sozialer Ausgrenzung, Verarmung, Vertreibung und Flucht gibt es beispielsweise auch den grundsätzlichen Mangel an Zuwendung und  Liebe, Orientierungslosigkeit sowie zunehmende Gewaltbereitschaft, die das gesunde Aufwachsen von jungen Menschen erschweren oder sogar unmöglich machen. Dagegen wollen wir etwas unternehmen, um Kindern und Jugendlichen neue Chancen zu eröffnen, als Erwachsene ein eigenständiges glückliches Leben führen zu können. Unser Verzicht als Ordensleute auf persönliches Eigentum vergrößert den finanziellen Handlungsspielraum für Benachteiligte, die Dienstgemeinschaft mit unseren Angestellten schafft Synergien für den pädagogischen Alltag, die Kooperation mit außerschulischen sozialen Diensten erweitert das unterstützende Angebot, die Einbeziehung von Seelsorgern profiliert die Sorge um Benachteiligte mit dem Aspekt des geistlichen Lebens, das Zugehen auf  lokale Politiker und einschlägige Öffentlichkeitsarbeit schaffen ein positives Bewusstsein in der Bevölkerung. Innerhalb der Bildungseinrichtungen wird die Sorge um Benachteiligte von pädagogischen Fachkräften und Kindern, Jugendlichen bzw. jungen Frauen gemeinsam wahrgenommen. Konkrete Hilfe und der Aufbau von sozialer Kompetenz gehen dabei Hand in Hand.